Eigene Lern-App für Ihre Sprachschule: was sie kostet und wann sie sich lohnt
Zwischen zwei Kursstunden entscheidet sich, wer dranbleibt. Was eine Lern-App unter dem Namen Ihrer Schule leistet, was sie kostet und für wen sie sich nicht rechnet.

Mikail Kuchmetzki
Lernplattformen 4 Min. Lesezeit
Foto: Vitaly Gariev / Unsplash, bearbeitet
Jede Sprachschule kennt das Muster. Im Unterricht läuft es gut, die Gruppe ist motiviert, die Lehrkraft gibt Hausaufgaben mit. Dann kommen sechs Tage ohne Unterricht, und in der nächsten Stunde fängt man wieder bei der Wiederholung an. Wer in diesen Tagen nichts tut, verliert den Anschluss, und wer den Anschluss verliert, bucht den nächsten Kurs nicht mehr.
Dieser Beitrag erklärt, was eine eigene Lern-App für genau diese Wochen leistet, was sie kostet und in welchen Fällen ich Ihnen davon abraten würde.
Das eigentliche Problem liegt zwischen den Stunden
Der Unterricht selbst ist selten das Problem. Schwierig sind die Tage dazwischen. Lernende üben dann allein, mit Arbeitsblättern, einem Lehrbuch oder einer App, die nichts mit Ihrem Kurs zu tun hat. Die Lehrkraft sieht davon nichts und merkt erst in der Stunde, wer nicht geübt hat.
Eine eigene Lern-App setzt genau dort an. Sie enthält das Material, das im Kurs gerade dran ist, und zeigt der Lehrkraft, wer übt und wo es hakt. Die nächste Stunde kann dann dort anfangen, wo die Gruppe tatsächlich steht.
Ohne App
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
Mit eigener App
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So

Drei Wege, und was sie unterscheidet
Wer Lernenden etwas für zu Hause geben will, hat im Wesentlichen drei Möglichkeiten:
- Eine fertige Sprach-App empfehlen. Kostet die Schule nichts, hat aber mit Ihrem Kurs nichts zu tun. Die Lernenden üben fremdes Vokabular in fremder Reihenfolge, und Ihre Schule kommt darin nicht vor.
- Ein allgemeines Lernsystem (LMS) einsetzen. Damit lassen sich Dateien und Aufgaben verteilen. Ein LMS ist aber für Verwaltung gebaut, nicht fürs tägliche Üben am Handy, und es sieht aus wie jedes andere LMS.
- Eine eigene Lern-App unter Ihrem Namen. Ihr Logo, Ihre Farben, Ihr Material, gebaut für kurze Übungseinheiten am Handy. Dazu eine Ansicht für Lehrkräfte, die zeigt, wer übt.
Der dritte Weg war lange Schulen mit eigenem Entwicklungsbudget vorbehalten. Das hat sich geändert, weil sich der technische Unterbau wiederverwenden lässt: Neu entsteht vor allem das, was Ihre Schule ausmacht.
Was in einer eigenen Lern-App steckt
Ein Beispiel aus der Praxis ist die App, die ich für die Sprachschule XMandarin gebaut habe und die dort täglich im Einsatz ist. Sie hat zehn Module, über 11.000 Vokabeln in sieben Niveaustufen und eine Ansicht für Lehrkräfte. Über 250 Lernende sind registriert.
Typische Bausteine sind:
- Karteikarten mit Wiederholung in sinnvollen Abständen
- Hör- und Leseübungen zum aktuellen Kursmaterial
- Hausaufgaben, die die Lehrkraft verteilt und einsieht
- Einstufungstest für neue Lernende
- Fortschritt je Lernendem und je Gruppe
Welche Module Sie brauchen, hängt von Ihrem Unterricht ab. Eine Schule mit Prüfungsvorbereitung braucht andere Schwerpunkte als eine Schule mit Kinderkursen. In der interaktiven Demo können Sie die Module mit dem Namen Ihrer Schule durchklicken.
Was es kostet
Bei Mikavo kostet die Einrichtung einer eigenen Lernplattform ab 1.900 € einmalig, der Betrieb ab 79 € im Monat. Darin enthalten sind Hosting, Wartung und Updates. Der genaue Preis hängt von drei Dingen ab:
- wie viele Lernende die App nutzen,
- wie viel Material zum Start eingepflegt werden soll,
- welche Module Sie brauchen.
Sie bekommen nach dem ersten Gespräch einen Festpreis, bevor irgendetwas gebaut wird.
Ein Rechenbeispiel
Die Zahlen hier sind angenommen, setzen Sie Ihre eigenen ein. Angenommen, ein Kurs kostet bei Ihnen 300 € im Halbjahr. Der Betrieb der App kostet im Halbjahr rund 474 € (sechs Monate zu je 79 €). Bleiben dank der App zwei Lernende mehr bis zum nächsten Kurs, ist der laufende Betrieb bezahlt. Jede weitere Person, die bleibt, ist Gewinn.
Betrieb der App, ein Halbjahr
474 €
Zwei Lernende, die bleiben
600 €
Zwei Lernende, die bleiben, bezahlen den Betrieb.
Die eigentliche Frage ist also nicht, ob die App etwas kostet, sondern ob sie bei Ihnen zwei oder mehr Lernende im Halbjahr hält.
Wann sich eine eigene App nicht lohnt
Ehrlich gesagt nicht für jede Schule. Ich würde abraten, wenn
- Sie allein unterrichten und nur eine Handvoll Lernende haben. Der Nutzen wächst mit der Zahl der Lernenden, die Kosten wachsen kaum mit.
- Ihre Lernenden ohnehin regelmäßig und gern mit einem bestehenden System üben. Dann ist ein Wechsel Aufwand ohne Gewinn.
- Sie kein eigenes Material haben und auch keines lizenzieren wollen. Die App ist so gut wie die Inhalte darin.
Was Sie vorher klären sollten
Drei Fragen, die in jedem Projekt früh auf den Tisch gehören:
- Rechte am Material. Texte, Aufgaben und Audios müssen von Ihnen stammen oder lizenziert sein. Bei Audios hängen zwei Rechte dran: am Text und an der Aufnahme.
- Datenschutz. Welche Daten der Lernenden gespeichert werden, wo sie liegen und wer sie sieht. Das gehört in Ihre Datenschutzerklärung.
- Pflege. Wer neue Inhalte einpflegt, wenn ein neuer Kurs startet. Das kann Ihr Team übernehmen oder ich.
Wie der Ablauf aussieht
Nach einem kostenlosen Gespräch schicken Sie mir Ihr Material, ich richte die Plattform in Ihren Farben und unter Ihrem Namen ein, und nach zwei bis vier Wochen ist sie live. Den genauen Ablauf finden Sie auf der Seite So läuft es ab.
Die beste Frage zum Start ist eine einfache: Was machen Ihre Lernenden heute zwischen zwei Stunden? Wenn die Antwort „wenig" lautet, lohnt sich ein Gespräch.



